Ayurveda
1. Definition des Ayurveda
Das Wort Ayurveda kommt aus dem dem Sanskrit und bedeutet „Wissenschaft vom Leben“. Ayu bedeutet ''Leben'' oder ''tägliches Leben', und Veda heißt ''Wissen". Der Ayurveda ist das älteste überlieferte Naturheilsystem für Gesundheit.
Ayurveda ist ein ganzheitliches geschlossenes Gesundheitssystem und befasst sich mehr mit der Gesundheit, nicht mit den Krankheiten. Ayurveda ist keine krankheitsorientierte Wissenschaft, sondern am Patienten orientiert.
Ayurveda als 3500 Jahre alte indische Gesundheitslehre ist eine Wissenschaft vom Leben, die die feinstofflichen Bioenergien in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt - Energien, die allen Dingen, nicht nur lebender oder anorganischer Materie, sondern auch Gedanken, Gefühlen und Handlungen innewohnen.
In seiner Blütezeit vor 3000 Jahren hatte Ayurveda Hochschulcharakter. Eigenständige Fachgebiete, wie Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Kinderheilkunde und Toxikologie sind Beweise für das systematische Denken der alten Ärzte.
2. Ayurveda als Komplimentäre Medizin
Exakt formuliert handelt es sich um die Ergänzung der modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin ("Schulmedizin") durch den seelisch-geistigen Anteil des Menschen und der Natur. Man kann auch von einer Spiritualisierung der modernen Medizin durch Ayurveda sprechen.
Die moderne Medizin betrachtet mit ihrer Wissenschaft ausschließlich den menschlichen Körper von seiner stofflich-organischen Seite, da, wo er messbar und wägbar ist, d.h. mit naturwissenschaftlichen Methoden exakt und reproduzierbar erfasst werden kann.
Das Ziel dabei ist, nur die objektivierbaren Anteile des Menschseins als für die Medizin wissenschaftlich zugänglich zu akzeptieren. Nun ist es aber eine Lebenstatsache, dass der Mensch auch eine höchst subjektive Seite hat, die sogar als ganz individuell bezeichnet werden muss. Ayurveda versteht den Menschen als komplexe Einheit von Leib, Seele und Geist. Der für die Medizin primär wichtige leibliche Anteil wird von Seele und Geist ("Ich") durchdrungen. Ayurveda bietet - wie keine andere Behandlungsmethode - eine ganz individuelle Therapie.
Ayurveda eröffnet mit natürlichen Behandlungsmethoden neue Lebenswege und zeigt, wie Körper und Geist intensiv entschlackt und gereinigt werden können, wie wir uns jung halten und ein natürliches Wohlbefinden im täglichen Leben erfahren können.
3. Grundlegende Prinzipien des Ayurveda
Nach Ayurveda ist der Mensch ein Mikrokosmos, ein Universum für sich selbst, lebend in einem Makrokosmos oder Universum. Im Mikrokosmos liegen daher alle diejenigen Elemente (Bhutas) vor, die auch im Makrokosmos vorkommen. Sie sind ein Kind kosmischer Kräfte der äußeren Umgebung, dem Makrokosmos. Ihre individuelle Existenz ist nicht von der gesamten kosmischen Manifestation zu trennen.
3.1PANCHMAHABHUTA (FÜNF ELEMENTE)
Daher betrachtet Ayurveda sie als Energie, die sich durch fünf grundlegende Naturelemente (PANCH = 5, BHUTAS = ELEMENTE) manifestiert:
- Äther (Raum)
- Luft
- Feuer
- Wasser
- Erde
Diese fünf Prinzipien sind in der gesamten Materie (Universum) und ebenso im Menschen
vorhanden.
3.2 TRI DOSHA
Die Lebenswissenschaft Ayurveda (Science of Life) offenbart den ganzheitlichen Ansatz in der Lehre von den „Drei biologischen Faktoren" (im folgenden mit dem Sanskritbegriff als "Doshas" bezeichnet), die zentrale Bedeutung haben. Kein Tier, keine Pflanze, kein Universum existiert ohne Doshas.
Das Bioenergiesystem des Menschen besteht aus drei unterschiedlichen Bioenergien, den drei Doshas, genannt VATTA, PITTA, KAPHA.
- VATTA enthält das Luft und Äther-Element,
- PITTA das Feuer- und in geringem Maße das Wasserelement,
- KAPHA enthält das Erd-Wasser-Element.
Die Doshas werden in individuellen Anteilen in jeder Einzelperson gefunden. Diese einzigartige Kombination der Doshas (genetische Profile) werden Prakriti genannt. In ihnen sind unser grundlegendes körperliches Aussehen, Eigenschaften, Verhalten, Krankheitsneigung und emotionale Tendenzen manifestiert
Die drei Doshas wirken auf allen Ebenen des Organismus zusammen. Sie schaffen Strukturen und erzeugen Funktionen, in jeder einzelnen Zelle ebenso, wie im gesamten Körper.
„Wie bei den Jahreszeiten so steigen auch zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha auf natürliche Weise an, erreichen ihren Höhepunkt und nehmen wieder ab.“
Sushruta Samhita, Sutrasthana 6.16
3.3 Grundkostitution (Prakriti)
Nach Ayurveda liegt in jedem Menschen von Geburt an eine Grundkonstitution vor, die durch ein individuelles Gleichgewicht dreier Vitalenergien, den „Doshas“, beschrieben wird.
Jeder Mensch hat aus ayurvedischer Sicht eine Geburtskonstitution, die seine individuelle unverwechselbare bioenergetische Dosha-Verteilung darstellt. Diese einzigartige Dosha-Kombination - genetisches Profil - genannte Konstitution (Prakriti) begründet unser körperliches und persönliches Aussehen und Verhalten, die eigenen Vorlieben, Krankheitsneigungen und emotionale Tendenzen.
Genauso einzigartig wie der Fingerabdruck eines Menschen ist, so individuell gestaltet sich die Zusammensetzung der Grundprinzipien Vata, Pitta und Kapha.
Die verschiedenartige Dosha-Verteilung innerhalb eines jeden Menschen wird während der Empfängnis festgelegt und bestimmt seine Individualität. Die genetischen Rahmen sind einmalig, auch wenn sie Kinder der gleichen Eltern sind.
Die unverwechselbare Natur eines Menschen, seine unterschiedlichen Vorlieben oder Bedürfnisse werden von Ayurveda berücksichtigt: Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie sehr die einzelnen Doshas bei einem Individuum ausgeprägt sind und wie sie miteinander zusammenarbeiten. Im Allgemeinen gibt es sieben Konstitutionstypen:
- Vata
- Pitta
- Kapha
- Vata-Pitta
- Pitta-Kapha
- Vata-Kapha
- Vata-Pitta-Kapha
Unter diese Typen gibt es Tausende feinerer Varianten.
Das Gleichgewicht dieser Kräfte im Menschen ist für seine Gesundheit und Lebenskraft entscheidend.
3.4 Die Kostitutionsbestimmung
Bei der individuellen Konstitutionsbestimmung wird festgestellt, welches Dosha oder welche Mischformen der Doshas dominieren. Menschen mit reiner Vata-, Pitta- oder Kapha-Konstitution sind selten, viel häufiger sind die Mischformen, bei denen z.B. zwei der Bioenergien (Dosha) gemeinsam im Vordergrund stehen.
Ein wichtiges, zum Befund führendes Verfahren ist die Pulsdiagnose. Sie liefert viele zusätzliche Hinweise auf die Konstitution, d.h. die Verteilung und Aktivität der Doshas.
Die Bestimmung der Konstitutionsform ist überaus wichtig, denn sie ist mitentscheidend für die Wahl der anschließenden Therapien. Öle oder medizinische Anwendungen müssen entsprechend gewählt sein. Eine falsch gewählte Ayurveda- Behandlungsmaßnahme kann auch die Krankheitssymptome verstärken.
Eine Krankheit wird sich in verschiedenen Konstitutionen (Prakruti) auf unterschiedlichen Wegen manifestieren
4. Gesundheit & Krankheit
Die Geburtskonstitution stellt zugleich unsere optimale körperliche, seelische und geistige Gesundheit dar und einen Zustand unseres individuellen energetischen Gleichgewichts, der uns ermöglicht, unsere eigentliche Lebensaufgabe im bestmöglichen Sinne zu erkennen und zu erfüllen.
Das Gleichgewicht dieser Kräfte im Menschen ist für seine Gesundheit und Lebenskraft entscheidend. Alle Tätigkeiten, die erstens nicht der Qualität der Zeit (Tag, Jahreszeit, Alter), zweitens nicht der körperlichen und psychischen Konstitution und Entwicklung eines Individuums und drittens nicht den Sinnesorganen (falsche, unausgewogene Beanspruchung) angepasst sind, führen zu Disharmonien der drei Doshas und somit zu Krankheiten.
Die Gesundheit wird in der ayurvedischen Heilkunde als Harmonie oder Einheit des Bewusstseins mit den Körperfunktionen beschrieben. Dazu gehört auch das Wohlbefinden, das durch einen harmonischen und befriedigenden Kontakt zwischen den einzelnen Menschen und ihrer Umwelt entsteht.
Wichtig: Wenn diese Harmonie gestört ist, sendet der Körper Signale aus. Werden diese nicht beachtet, reagiert der Körper mit Krankheiten. Beginnende körperliche Veränderungen werden in der ayurvedischen Medizin jedoch nicht als Beginn einer Erkrankung gesehen, sondern bereits als deren Auswirkung. Deshalb bemüht sich die ayurvedische Medizin nicht in erster Linie um die Heilung von körperlichen Symptomen, sondern um die Wiederherstellung des ursprünglichen Gleichgewichtes.
5. Krankheitsentstehung:
Das Ungleichgewicht der Doshas kann sich in einer organischen Störung manifestieren, bevor es zu einer Krankheit bzw. krankhaften Organstörung kommt. Unser Organismus ist ein kybernetisches System, das mit Hilfe seiner komplexen Regelkreise kontinuierlich versucht, Störfaktoren auszugleichen. Beispielsweise bemüht sich der Körper, einen dauernden Vata-Stimulus durch Aktivierung seines eigenen Kapha zu kompensieren. Wenn die Regulationsreserven jedoch einmal erschöpft sind, gleitet der Organismus in eine Krankheit ab und es entsteht ein Energiedefizit.
Nach der ayurvedischen Lehre entstehen Krankheiten dadurch, dass die aus dem Gleichgewicht geratenen Energien eine pathologische Verbindung mit Strukturen des Körpers eingehen.Psyche und Soma werden bei Ayurveda nicht als getrennte Prinzipien der Persönlichkeitsbildung angesehen, sondern als Aspekte der ererbten psycho-physischen Konstitution. Abhängig davon, welcher Konstitutionstyp dominiert - Vata, Pitta oder Kapha - können typische Erkrankungen auftreten. Eine Differenzierung oder Beziehung auf bestimmte erkrankte Organe, wie sie in der modernen Medizin vorgenommen wird, ist nicht vorhanden.
Durch schwache Verdauungsleistung oder geistige Belastungen entsteht häufig „AMA“, das sind unverdaute Proteine bzw. Abfallstoffe des Stoffwechsels.
Bei der Entstehung von energetischem Ungleichgewicht geraten die Vata, Pitta, Kapha aus ihrem Hauptsitz und verteilen sich in andere Körperbereiche, wo sie nicht hingehören. Zugleich nehmen sie auch Gifte (Toxine) mit, die sich in Geweben und Zellen einlagern und die Versorgung, Reinigung und ausreichende Ernährung unserer Körperzellen behindern. Auf zellulärer Ebene kann dies Krankheitsprozesse in Gang setzen.
Behandelt werden die Symptome oder Symptomenkomplexe in erster Linie unter Zugrundelegung des Vata-Pitta-Kapha-Systems. Gezielte pharmakologische Effekte von Arzneimitteln werden nur in beschränktem Maß genutzt.
6. Diagnostik und Therapie
Im Ayurveda kennt man sechs Stadien einer Krankheitsentwicklung, die der erfahrene Heilkundige mit Hilfe der Pulsdiagnose diagnostizieren kann. Die moderne Medizin diagnostiziert mit ihren Methoden davon jedoch nur die letzten beiden Stadien. Der größte Vorteil ayurvedischer Diagnostik liegt damit auf der Hand: Je früher eine Krankheit entdeckt werden kann, desto leichter ist sie zu behandeln.
Auf Grundlage des Regulationsmechanismus der drei Doshas wird ein individuelles ganzheitliches ayurvedisches Therapie - Konzept entwickelt. Damit werden die Rahmenbedingungen abgesteckt, unter denen der Organismus in die Lage versetzt wird, sich natürlich zu entgiften, die Belastungen durch Stoffwechselablagerungen zu beseitigen, seine Regulationsreserven neu aufzubauen, die Störungen zu beheben und sein gesundes Gleichgewicht wieder herzustellen.
Im Ayurveda hat jede Einzelperson eine eigene genetische Konstitution, die jegliches körperliche und psychologische Verhalten steuert - von der grundlegenden Zellstruktur bis zu den komplexen Geistes-funktionen. Die genetisch bedingte (konstitutionelle) Anfälligkeit ist für jeden Menschen unterschiedlich. Das erklärt auch die verschiedenen Krankheitsneigungen und die unterschiedliche Wirkung von Nahrung, Arzneien bzw. Therapien auf unterschiedliche Einzelpersonen. Deshalb bietet Ayurveda eine ganz individuelle Therapie an.
Es existieren daher auch keine festgeschriebenen Diagnosen. Da jeder Patient ein Individuum ist, ergründet der behandelnde Arzt im Gespräch mit dem Patienten über die Symptome jedes Mal neu die ins Ungleichgewicht geratenen Elemente des Körpers und versucht, diesen Zustand in seiner Gesamtheit zu erfassen. Diese Freiheit bei der Diagnostik schafft auch dem Arzt die Freiheit, offener und direkter auf den Patienten einzugehen und nicht mit einem vorgefassten Bild belastet zu sein. Die Vielfältigkeit der Symptome wird dann in Ayurveda analog gedeutet und analog behandelt.
7. Therapie: Wiederherstellung des individuellen Gleichgewichts
Die Aussage des Ayurveda lautet: Dieses Gleichgewicht kann wiederhergestellt werden, indem Ernährung und Lebensgewohnheiten geändert und / oder Medikamente angewendet werden. Gemeinsam wirken diese Veränderungen der äußeren Umgebung entgegen. Im Mittelpunkt der ärztlichen Bemühung steht immer der ganze Mensch - sein Körper, sein Geist und seine Seele. Krankheit wird als Störung der Balance der Körpersäfte beschrieben. Diese überlieferte Heilkunst will dem Organismus helfen, sich selbst zu heilen. Die ayurvedische Behandlung zielt darauf ab, das natürliche, individuelle Gleichgewicht der Doshas wiederherzustellen und auf diese Weise sowohl die Ursache als auch die Symptome der Krankheit zu beseitigen. Somit werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und eine dauerhafte Regeneration eingeleitet.
Aufgabe des Ayurveda - Arztes ist es festzustellen, welche Ursachen Dosha - Abweichungen bzw. -Verschiebungen der individuellen biologischen Energien von der Geburtskonstitution haben.
Aus diesem Gründen ist der klassische Ayurveda eine patientenorientierte- und nicht krankheitsorientierte Heilkunde.
Die ayurvedischen Anwendungen wirken wohltuend, entspannend und harmonisierend auf Körper, Geist und Seele. Sie legen den Grundstein für gesteigerte Lebensfreude, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Vitalität.
Ein weiterer Punkt, der Ayurveda auch gegenüber vielen Naturheilverfahren auszeichnet, ist der vorbeugende Charakter. Ayurveda ist somit nicht allein für den kranken Menschen von Bedeutung.
Die zwei Ziele von Ayurveda können folgendermaßen definiert werden:
- Krankheitsvorbeugung und Steigerung der Vitalität
- Heilung von Krankheiten.
Ayurveda hat seinen Schwerpunkt bei der Prävention von Krankheiten, insbesondere durch Regeln für ein gesundes Leben, die einfach zu befolgen sind.
Neben diesen allgemeinen Regeln gibt es auch individuelle Empfehlungen, die sich nach der Natur des Einzelnen richten, denn was dem einen gut tut, kann für einen anderen schädlich sein.
Sollte dennoch eine Behandlung erforderlich werden, so richtet sich diese nicht allein nach dem Krankheitsbild, sondern wird individuell, entsprechend der Konstitution des Patienten gestaltet.
Die Therapie zielt darauf ab, diese Grundkonstitution zu stabilisieren, die Verdauung zu stärken und Gifte zu eliminieren - damit aktiviert sie die Selbstheilungskräfte des Körpers.
Eine große Rolle spielt hierbei u.a. auch die Ernährung. Gerade mit der richtigen Auswahl der Nahrung kann die Gesundheit gezielt gestärkt und im Krankheitsfalle der Heilungsprozess positiv beeinflusst werden. Aus diesem Grunde wird der Ernährungslehre sowohl im präventiven als auch im therapeutischen Bereich ein hoher Stellenwert beigemessen.